Rahmenbedingungen für die Innenstadt der Zukunft

10.02.2021

Die existenzbedrohende Lage der lippischen Einzelhändler treibt die CDU-Bundestagsabgeordnete Kerstin Vieregge um. In Gesprächen vor Ort sammelt sie konkrete Erkenntnisse und Anregungen, damit die Politik die aktuellen Hilfsmaßnahmen optimieren und zugleich künftige Rahmenbedingungen für einen starken Einzelhandel und lebendige Innenstädte gestalten kann.

„Wir brauchen Liquidität durch schnelle Umsetzung der Überbrückungshilfe III und eine Öffnungsperspektive“ fordert Markus Henkel, Chef von Intersport Henkel in Lemgo. Anhand eigener Unternehmenszahlen hat er Vieregge die aktuelle Brisanz im Einzelhandel verdeutlicht. „Je schneller die Hilfen fließen, umso mehr Geschäfte überleben“, bestätigt Lemgo-Marketing Geschäftsführer Wolfgang Jäger im gemeinsamen Treffen. Er lenkt dabei den Blick auch auf die Aufenthaltsqualität in Lemgo: „Diese lokale Stärke darf nicht aufs Spiel gesetzt werden.“ Als flankierende Maßnahmen wünscht er sich von der Politik Offensiven wie sie vor Jahren mit dem Programm „Ab in die Mitte“ umgesetzt wurden. „Ziel war damals, die Innenstädte zu lebendigen Orten von Handel, Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Kunst und Kultur zu entwickeln. Ein guter und nachhaltiger Ansatz, der es wert ist, neu aufgelegt zu werden“, ist der Marketing-Fachmann sicher. „Und mit steigender Aufenthaltsqualität der Stadtkerne wird zudem der stationäre Handel im rein preisorientierten Wettbewerb mit den Online-Riesen gestärkt“, sieht Vieregge einen weiteren positiven Effekt.

Einig ist sie mit ihren Gesprächspartnern auch über die Bedeutung verkaufsoffener Sonntage, die sich mit dem stets attraktiven Rahmenprogramm gerade in Lemgo zu beliebten Events entwickelt haben. „Es gibt den Wunsch und es gibt Ideen für eine Sonntagsöffnung. Wir müssen aber noch bewerten, wie und ob wir ein Rahmenprogramm gestalten können oder ob wir lieber ganz klein starten wollen. Auch dafür brauchen wir aber zuallererst Planungssicherheit“, so Jäger.

Um die Einzelhandelskunden auch in der digitalen Welt abzuholen, will Jäger der Lemgoer Geschäftswelt gern mit einem „Digitalcoach“ eine konkrete Hilfestellung bieten. Eine Idee, die die Bundestagsabgeordnete unterstützt: „Gerade kleine und mittlere Händler haben den für sie richtigen Weg in die digitale Welt oft noch nicht gefunden“, weiß Vieregge. Dabei gehe es keineswegs darum, das gesamte Geschäft online abzuwickeln. „Doch mit individueller Beratung kann der zum eigenen Sortiment und Konzept passgenaue digitale Auftritt entwickelt und den Kunden ein zeitgemäßes Angebot gemacht werden“, erläutert Jäger. Auch der Handelsverband NRW sei bereits in der Richtung unterwegs, doch „bei vier Coaches für ganz NRW ist die Personaldecke extrem dünn und die Beratung muss zwangsläufig an der Oberfläche bleiben. Wir wünschen uns für Lemgo mehr.“

Kerstin Vieregge verspricht, die Sorgen, aber auch die zukunftsorientierten Ideen in die Beratungen der CDU-Bundestagsfraktion einzubringen. Henkel und Jäger sind zufrieden: „Es ist gut, dass endlich mal jemand zuhört und sich unserer Probleme annimmt.“ Den Lemgoern ist es ebenso wie der Bundestagsabgeordneten wichtig, jetzt die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen für das Stadtbild der Zukunft, das ein Mix aus Kultur, Handel und Dienstleistungen sein werde. „Darauf müssen wir uns vorbereiten und möglichst mit geförderten Pilotprojekten vorausgehen. Dafür setze ich mich in Berlin ein und werde parallel auch Kontakt zu den CDU-Kollegen im Düsseldorfer Landtag aufnehmen“, sagt Vieregge zu.