Obstbau in keinem einfachen Fahrwasser

27.06.2020

3,6 Kilogramm Erdbeeren isst jeder Deutsche pro Jahr, für Lippe macht das einen Verbrauch von rund 1,4 Tonnen. Ein Teil davon wächst in Lippe auf den Feldern von Hans Grimm vom gleichnamigen Obstbaubetrieb. Als die Bundesregierung nach langem Bangen den Weg frei machte für die Einreise von Saisonarbeitskräften, fiel ihm ein großer Stein vom Herzen: „Ich hätte nicht gewusst, wie es sonst hätte weitergehen sollen“, erklärt Grimm beim Besuch der lippischen Bundestagsabgeordneten Kerstin Vieregge, bei der er sich auch noch einmal persönlich bedankte. „Uns war wichtig, dass die Lebensmittel geerntet werden können, dass die Unternehmen überleben können und auch für die Wirtschaft der Herkunftsländer und die Familien der Saisonkräfte ist die Arbeit in Deutschland von großer Bedeutung.“

Rund 2.000 Betriebe gibt es in Deutschland, rund 30.000 Saisonkräfte haben die Möglichkeit genutzt und arbeiten in den Unternehmen. Die Regelung gilt noch bis zum Ende des Jahres. Auf dem Obsthof Grimm arbeiten insgesamt 15 Personen mit, „wir sind über die Jahre schon eine kleine Familie geworden“, sagt Grimm, der auf seine erfahrenen Kräfte setzt.

Den Obstbauer plagen derweil noch weitere Sorgen: „Die immer strengeren Regeln für Schädlingsbekämpfungsmittel sind in der Tendenz ja richtig, aber mangels Alternativen häufen sich bei uns Obstbauern die Schäden. Bestimmte Mittel würde ich auch nie einsetzen, weil sie beispielsweise Bienen schädigen können.“ Und das gelte nicht nur für Erdbeeren oder Kirschen, appelliert er an die Politik, bei den Regelungen nicht über das Ziel hinauszuschießen.

Einstweilen läuft aber alles reibungslos, große Schädlingsplagen sind ausgeblieben – und so erfreuen sich die 16 Verkaufsstände von Grimm in Lippe reger Nachfrage. „Ich persönlich mag ja lieber Kirschen, aber bei leckeren Erdbeeren kann ich auch nicht nein sagen“, schmunzelt Vieregge mit Blick auf die zahlreichen Spezialitäten, die Grimm und seine Partner aus den Beeren zaubern.