Mathematik zur Früherkennung im Vogelei

03.09.2020

Gerade die Mathematik könnte künftig einen wichtigen Beitrag zur tierwohlorientierten Landwirtschaft leisten: In der Technischen Hochschule OWL stellte Professorin Dr. Helene Dörksen der lippischen CDU-Bundestagsabgeordneten Kerstin Vieregge ihr neues Verfahren zur Geschlechtserkennung im Vogelei vor. „Es ist absolut spannend zu sehen, wie hier durch interdisziplinäres Denken und Ansätze über den Tellerrand hinaus, Forschung für die Praxis gemacht wird“, zeigte sich Vieregge nach dem Gespräch auf dem Lemgoer Campus beeindruckt. Für den Ansatz der TH OWL wird die Bundestagsabgeordnete nun in Berlin werben.

Bei der Geschlechtererkennung im Vogelei setzt Dörksen mit ihrem Team auf die „Fluoreszensspektroskopie“. Dabei wird Licht durch einen minimalinvasiven Eingriff in das Ei geschickt und anhand der gewonnenen Bilddaten anschließend mathematisch ausgewertet. „Mit einer Trefferquote von bis zu 93 Prozent“, wie Dörksen nicht ohne Stolz betont. Ihr Fachgebiet ist die Auswertung der Datenmengen, die mittels bestimmter Logarithmen ausgewertet werden. Anderthalb Jahre hat sie mit ihrem Team geforscht, um vor allem mit Blick auf das Tierwohl auch den richtigen Zeitpunkt für die Erkennung zu finden: „Mit dem Test am sechsten Bebrütungstag liegen wir unmittelbar vor der Schmerzempfindlichkeit, die ab dem siebten Tag beginnt“, erläutert sie und verweist damit auch klar auf die ethische Verantwortung der Wissenschaft.

Das Ziel des Projektes ist ehrgeizig: „Wir wollen das Verfahren so verfeinern und gleichzeitig vereinfachen, dass es als transportables Messgerät auch für Kleinbrütereien und einzelne Landwirte nutzbar ist“. Dazu sind allerdings noch einige Schritte zu gehen, in Zusammenarbeit mit einem großen Unternehmen der Branche sollen Praxis-Tests weitere Erkenntnisse bringen, um am Ende ein optimiertes Verfahren anbieten zu können. Danach wäre das Projekt für die TH OWL zunächst abgeschlossen, die marktreife Umsetzung müssen andere organisieren.

„Beim Übergang von der Forschung in die industrielle oder in diesem Fall landwirtschaftliche Anwendung müssen wir in Deutschland andere Strukturen entwickeln“, stellt die Bundestagsabgeordnete fest. „Während anderswo Konsortien zwischen Wirtschaft und Hochschule selbstverständlich sind oder der Staat Überbrückungskredite zur Verfügung stellt, lassen wir in Deutschland erfolgreiche Forschung zu oft ins Leere laufen“, findet sie. Ein Problem, dass sie in Bezug auf das Projekt der TH OWL auch schon direkt bei der Ministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, bei deren Besuch in Lippe angesprochen hat.

„Ich freue mich aber erstmal, dass aus Lippe wieder mal ein erfolgsversprechender Ansatz kommt, der unsere tierwohlorientierte Landwirtschaft nach vorne bringen kann“, so Kerstin Vieregge. „Dafür werde ich mich in Berlin stark machen, weil es für Mensch und Tier gleichermaßen gut ist.“