Lebenslauf

Mit 51 Zentimetern und 3.800 Gramm bin ich am 6. September 1976 zur Welt gekommen. Aufgewachsen bin ich auf einem Bauernhof im Extertaler Göstrup – auf dem ich heute noch mit meiner Familie lebe. In den vergangenen Jahren bin ich viel in der Welt herum gekommen, aber ich bin überzeugt: Nirgendwo ist es so schön wie hier! Neben mir ist auch mein vier Jahre jüngerer Bruder Henning auf dem Hof aufgewachsen. Wir haben eine Menge miteinander unternommen. Und natürlich haben wir uns auch gestritten. Nachtragend war jedoch keiner von uns. Es besteht eine gewisse Harmoniebedürftigkeit bei den Viereggens, die 2020 mittlerweile 400 Jahre hier ansässig sind.

So bin ich aufgewachsen

In meinen ersten Lebensjahren war ich vorzugsweise die rechte Hand von meinem Papa: Helfen, Anpacken, Organisieren – das alles lag mir mehr als kochen und backen in der Küche mit meiner Mama. Rückblickend bleiben mir besonders die Erntehelferrunden in Erinnerung. Nach anstrengender Arbeit auf dem Feld war es ein tolles Gefühl, das Stroh eingefahren zu haben bevor plötzlich Blitz, Donner und Regen einsetzen. Da saßen wir aber schon am Tisch und sinnierten mit einem „Strammen Max“ über Aktuelles oder gemeinsam erlebtes. Natürlich hatte ich auch Mädchenhobbys. Neben Reiten und Voltigieren schwamm ich auch bei Wettkämpfen mit. Später folgte Handball. Heute kann ich mit Fug und Recht behaupten: Ich hatte eine schöne Kindheit auf dem Land. Und wenn ich darüber nachdenke, ist diese Zeit mit unheimlich viel Lebenserfahrung verbunden, von der ich heute noch profitiere und die ich nicht missen möchte.

Meine schulische Ausbildung

Meine Schullaufbahn begann in der Grundschule Silixen. Noch heute zeige ich gerne mein Abschlusszeugnis der vierten Klasse. Es folgte der Sprung auf das Gymnasium Barntrup. Ein geplatzter Blinddarm setzte mich in der sechsten Klasse außer Gefecht. Der Anschluss sollte danach nicht mehr gelingen, so dass ich auf die Realschule Extertal wechselte. Ein Schritt, den ich nicht bereuen sollte. Die Leistungen passten wieder und die Gemeinschaft zwischen Schülern und Lehrern war super. Ab hier beginnen auch meine ersten politischen Schritte in der Schülervertretung. Das Organisieren, Diskutieren und Umsetzen gehörten schon da zu meinen Aufgaben. Am Hanse-Berufskolleg setzte ich das „Wirtschaftsabitur“ auf meinen Realschulabschluss 1996. Die Ausbildung zur Industriekauffrau bei der Firma decor metall habe ich nach zwei Jahren abgeschlossen – trotz einer glatten sechs in der ersten Klausur. Nach einem Jahr Berufserfahrung habe ich nach weiteren drei Jahren am Dietrich-Bonhoeffer-Berufskolleg den Abschluss als staatlich geprüfte Betriebswirtin in der Tasche. Heute arbeite ich bei der Lippischen Landesbrandversicherung, bei der ich 2011 eine Weiterbildung zur Versicherungsfachfrau und anschließend zur Marketingassistentin absolviert habe. Dort bin ich jetzt für die Öffentlichkeitsarbeit und Schadensprävention zuständig.

Mein politischer Werdegang

Schon zu meiner Realschulzeit hatte ich das Glück, früh in der Vorstandsarbeit der Landjugend mitzuwirken. Wir haben Seminare, Vorträge und Veranstaltungen organisiert – Erfahrungen die sehr prägend waren. Eine starke Truppe, die sich sehr dafür eingesetzt hat große Events im ländlichen Raum zu gestalten. Mein direkter Einstieg in die Politik kam über das Hanse-Berufskolleg. Da mir schon damals Volkswirtschaft, also das ganzheitliche Denken in Wirtschaft und Sozialfragen, besonders viel Freude bereitete, schlug mir mein damaliger Lehrer vor: „Kerstin, Sie sollten in die Politik gehen.“ Das tat ich auch. Und wie wir einige Jahre später beide feststellten, in unterschiedlichen Parteien. Während er SPD-Mitglied war (und ist), schloss ich mich im Jahr 1999 der CDU an. Wir konnten beide drüber lachen und verstehen uns heute noch gut. In der großen Auseinandersetzung mit der Schröder-Politik als Bundeskanzler 1999, habe ich die Vorzüge der CDU inhaltlich bei den Themen und großzügig in der Diskussion sowie Offenheit mit dem Umgang miteinander erfahren und für mich als gut empfunden. Diese Überzeugung teile ich bis heute. Mein Weg führte mich in den Landtag nach Düsseldorf, wo ich zehn Jahre wissenschaftliche Assistentin im lippischen Wahlkreisbüro war. Darauf folgte der Gemeindeverbandsvorsitz der CDU im Extertal, 2004 der Einzug in die Kreistagsfraktion und der Vorsitz des Verkehrsausschusses. Im Jahr 2011 wurde ich zur stellvertretenden CDU-Kreisvorsitzenden und gleichzeitig zur stellvertretenden Landrätin ernannt. 2013 gab MdB Cajus Caesar seinen Vorsitz der lippischen CDU nach 23 Jahren an mich ab, welchen ich bis zum Januar 2018 inne hatte.

Meine Motivation

Wenn man wie ich in Göstrup aufgewachsen ist, weiß man auch ganz genau was „ländlich“ und „abgeschieden“ bedeutet. Wie vielen anderen erging es auch mir nicht anders, dass ich von meinen Eltern zu Aktivitäten oder Feten gebracht werden musste. Wenn nicht gerade Ältere mit Bullis oder Autos dabei waren, war man schon sehr aufgeschmissen. Die Mobilität im ländlichen Raum war einfach sehr eingeschränkt. Und sie ist nach wie vor ein Problem für uns alle. Für deren Entwicklung habe ich mich nicht nur in der Ratsfraktion als sachkundige Bürgerin eingesetzt, sondern im besonderen Maße auch als Vorsitzende des Verkehrsausschusses auf Kreisebene, wo mir die Infrastruktur sehr wichtig war. Daher kann ich jeden nur bekräftigen, sich aktiv in der Politik einzusetzen. Es reicht eben nicht zu sagen, was einem fehlt oder was besser laufen könnte. Viel wichtiger ist es, zu erkennen, was jeder Einzelne dazu beitragen kann, dass es besser läuft. Warum können wir nicht zum Beispiel Schnellbuslinien einführen, wo beim Transport zu deren Haltstellen wiederum Elektro-Dorfautos eine große Rolle spielen? Für mich ist entscheidend, dass wir keine Denkverbote haben und auch einmal über den Tellerrand hinausschauen. Ein „das haben wir immer schon so gemacht“ passt da nicht hinein. Dass Politik nicht immer einfach ist, zeigen auch die mitunter nicht so populären aber notwendigen Entscheidungen, wie beispielsweise die Schließung des Klinikums in Bad Salzuflen (2004), dem Verkauf der Weseranteile und der damit verbundenen Frage, wie das Geld nachhaltig anzulegen ist oder lange diskutierte Kreisstraßenerhaltungsvertrage, um nur einige inhaltliche Aufgaben zu nennen.

Meine Motivation ziehe ich auch aus meiner Arbeit im Ehrenamt. Ich kann sehr gut nachvollziehen was es bedeutet, mit Freunden und Bekannten zusammenzukommen und die heimischen Vereine zu unterstützen. Und ich ziehe den Hut vor denjenigen, die solche Aufgaben täglich auf sich nehmen (können). Gerne erinnere ich mich in diesem Zusammenhang an meine Jugendzeit und den verschiedenen Ferienfreizeiten zurück, in denen ich es genossen habe teilzunehmen und später dann als Betreuerin Verantwortung übernommen habe. Es hat mir gezeigt wie wichtig schon in früher Kindheit ein Gruppengefühl, ein Aufeinander achtgeben und nicht immer im Mittelpunkt zu stehen, gemeinsam Wege zu gehen, ist. Daher war es mir schon meiner Zeit im Gemeinderat wichtig, die Wahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen und mir ist die Verantwortung bewusst, die wir Politiker dadurch tragen. Als stellvertretende Landrätin nehme ich zahlreiche Termine wahr. Sei es ein 100. Geburtstag, dessen Jubilar zwei Weltkriege überlebt hat, oder ein Besuch im Kindergarten, wo mir unglaublich viel Lebenslust und Freude entgegnet. Hier werden bei mir positive Zukunftserwartungen geweckt. Dieser Aufgabe stelle ich mich immer wieder gerne und es macht mich stolz, diese verantwortungsvolle Herausforderung täglich erfüllen zu dürfen.

Ich habe in meiner Familie von unserem Zusammenhalt und Verbund sehr profitiert und gelernt, dass Bodenständigkeit nichts Altmodisches ist, sondern das Fundament für die Zukunft. Frei nach der Feststellung: Zukunft ist nicht Schicksal, sondern ein Auftrag zur Gestaltung.

Wenn ich jetzt die Menschen vor Ort als Mitglied des Deutschen Bundestages den Wahlkreis 135 vertreten darf, könnte ich sagen, es schließt sich für mich der Kreis. Oder anders gesagt: Es eröffnet sich eine Chance, der ich mit viel Respekt, Dankbarkeit und Demut gegenüberstehe.