Dörfer sind Gewinner der Digitalisierung

26.01.2018

Deutschland ist geprägt von ländlichen Regionen. Nicht nur in Lippe, sondern auf insgesamt 91 % der Fläche Deutschlands leben rund 57 % der Bevölkerung in ländlichen Räumen. Aber auch volkswirtschaftlich sind diese Regionen ein wahres Schwergewicht. Rund die Hälfte der Wirtschaftsleistung und über die Hälfte der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze befinden sich im Ländlichen Raum. Insbesondere klein- und mittelständige Unternehmen findet man hier vor.

Auf dem „11. Zukunftsforum Ländliche Entwicklung“, im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin, wurde eindeutig klar, dass unsere Ländlichen Regionen und deren Bewohner vital und vielfältig sind. Bei mehreren Vortragsreihen und anschließenden Diskussionen, konnte ich mich selbst davon überzeugen, mit welchen pfiffigen Ideen die Leute vor Ort, dank der Unterstützung des Bundes, Vorhaben umsetzen.
So wie beispielsweise das lippische Projekt „Smart Country Side“. Das Gemeinschaftsprojekt des Kreises Lippe und Höxter, wurde durch den Projektleiter Dr. Klaus Schafmeister und der Projektmanagerin Heidrun Wuttke vor einem großen Publikum vorgestellt. Das Vorhaben entwickelt Lösungen, um in Abstimmung mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort, leicht nutzbare, ortsunabhängige und passgenaue digitale Lösungen, sogenannte „Smart Country Services“, zu entwickeln und zu erproben. Mit Hilfe von diverser Plattformen können sich die Menschen vor Ort digital über Neuigkeiten, Immobilien- und Bauangebote, aber auch Gottesdienste, Schulungen und Veranstaltungen informieren und austauschen. Damit werden smarte Lösungen für die demografischen Probleme auf dem Land angeboten und aufgezeigt, wie auch die Bevölkerung in den Dörfern die Chancen der Digitalisierung nutzen können.
In einer interessanten Vortragsreihe mit dem Titel „Das Dorf von Morgen“, eröffnet durch meinen lippischen Bundestagskollegen Christian Haase und moderiert von Herrn Dr. Schafmeister, wurde das Publikum über die Herausforderungen und Perspektiven der Kommunen im digitalen Zeitalter informiert.

Die vorgestellten Projekte auf der Messe und dem Forum zeigten deutlich auf, dass wir kein Erkenntnisdefizit, sondern ein Umsetzungsproblem haben. Es gibt schon genügend kleiner Projekte, die regional und lokal deutliche Verbesserungen mit sich gebracht haben. Was wir jetzt brauchen, ist aber Hilfe zur Selbsthilfe für kommunale Entscheider mit einem Maßnahmenbündel, welches Best-Practice Verfahren identifiziert, durch Schulungen flächendeckend verbreitet und dazu die finanzielle Anschubfinanzierung sichert. Diesen Gedanken, müssen wir meines Erachtens mit in die anstehenden Koalitionsverhandlungen mitnehmen. In den Sondierungsgesprächen mit der SPD haben wir uns bereits auf die Einsetzung einer Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ verständigt. Jetzt müssen wir aber auch Mittel und Maßnahmen definieren, welche bereits zu Beginn der Legislaturperiode für die „Kümmerer“ vor Ort bereitstehen.
Das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung (BULE) ist ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Unterstützung bei der Entwicklung der Ländlichen Räume. Das Programm welches in der letzten Wahlperiode von jährlich 10 Millionen Euro auf jährlich 55 Millionen Euro erhöht wurde, bietet einen ersten wichtigen Ansatz, dass Ideen vor Ort dank Bundesmittel und des Einsatzes von Bürgern im Ehrenamt umgesetzt werden können.

Die Dörfer werden meiner Ansicht nach von der Digitalisierung besonders gewinnen. Wenn wir durch eine zukunftsausgerichtete Politik den Rahmen und die finanziellen Mittel setzen, dass auch auf dem Lande schnelles Internet wie auch digitale Kompetenzen geschaffen werden, dann bin ich guter Dinge, dass immer mehr Menschen die Vorteile eines Lebens auf dem Dorf erkennen. Davon profitieren entlastete Ballungsgebiete, wiedererblühende Dorfgemeinschaften und die lokale Wirtschaft gleichermaßen.