Die Chance Leben zu retten – Änderung des Transplantationsgesetzes

15.01.2020

An diesem Donnerstag steht hier im Berliner Bundestag eine Abstimmung von höchster Brisanz auf der Agenda. Wir Abgeordneten stimmen über drei Gesetzentwürfe zur Neuregelung der Organspende ab. Ich freue mich, dass bei dieser Abstimmung kein Fraktionszwang bestehen wird, so bin ich in der Lage, frei nach meinem besten Wissen und  Gewissen zu entscheiden.

Für mich ist das Thema der Organspende von besonderer Relevanz, da es potentiell jeden von uns oder unsere nächsten Angehörigen persönlich betreffen kann - sei es als Spender oder Empfänger.
Eine Neuerung des Gesetzes, welches sich klar von der momentanen rechtlichen Lage distanziert, gibt allen Betroffenen Hoffnung und ermöglicht es der Medizin durch Transplantationen mehr Leben zu retten.

Momentan warten mehr als 9.500 Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan. Leider stehen ihre Chancen nicht besonders gut. Mit nur 11,2 Spendern auf 1 Millionen Einwohner ist Deutschland eines der Schlusslichter im internationalen Vergleich, weit abgeschlagen hinter Spitzenreiter Spanien. Dort gibt es ganze 48 Spender pro 1 Millionen Einwohner.
Das positive Abschneiden Spaniens lässt sich mitunter auch anhand der spanischen Gesetzeslage erklären. Spanien führte schon in den 80er-Jahren die Widerspruchslösung ein. Die Option für die auch ich am Donnerstag im Bundestag abstimmen werde.

Durch Einführen der Widerspruchslösung in Deutschland würde jeder Bürger, der nicht offiziellen Widerspruch einlegt, als potentiellen Spender kategorisiert werden. Somit steht die Widerspruchslösung konträr zum jetzigen deutschen Verfahren der Entscheidungslösung, welches der Hauptgrund für die sinkenden Spenderzahlen ist.

Meine Entscheidung diesen fraktionsübergreifenden Gesetzesentwurf zu unterstützen, beruht auf dem Wissen um die allgemeine Bereitschaft der Deutschen Organspender zu werden. Eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ergab, dass 84% der Befragten der Organ- und Gewebespende gegenüber positiv eingestellt sind. Die Differenz dieses Ergebnisses zur Zahl der Organspender ist gravierend. Demnach hat der Gesetzentwurf das Potenzial diese Lücke zu schließen und so Leben zu retten.
Ein weiterer ausschlaggebender Beweggrund der meine Entscheidung motiviert hat, war die Betrachtung der konkreten Zahlen. Jedes Jahr versterben über 900 Menschen, die auf der Transplantationsliste stehen, obwohl es zwar potenziell genug Menschen gebe die bereit wären zu spenden, die Bürger aber an bürokratischen Hürden des Organspendeausweises scheitern.

Neben mir unterstützt auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Widerspruchslösung. Durch die Einführung der Widerspruchsregelung erhoffe ich mir außerdem konkrete Vorteile für die Menschen und Kliniken in Lippe, durch einen deutlichen Anstieg der Transplantationen.
In der Abstimmung über die Gesetzentwürfe am Donnerstag werde ich mich daher entschieden für die Widerspruchslösung einsetzen. Für die Menschen, für Lippe und für das Leben.